Schieferfassaden, Fachwerk und enge Gassen erzählen im Bergischen Land von Tuchmachern, Kaufleuten und Klöstern. Zehn historische Ortskerne zeigen, wie unterschiedlich diese Geschichte bis heute sichtbar ist. Für Leserinnen und Leser aus Velbert liegt ein Ziel besonders nahe: Langenberg – mit steilen Straßen, verschachtelten Häuserzeilen und dem Historischen Bürgerhaus.
Velbert-Langenberg: bergische Geschichte vor der Haustür
Zwischen den Hängen mehrerer Täler entwickelte sich Langenberg über Jahrhunderte zu einem Ort, dessen Geschichte eng mit der Textilindustrie verbunden ist. Aufwendig erhaltene Bürgerhäuser erinnern an den einstigen Wohlstand der Kaufleute. Gepflasterte Straßen, Treppen und verschachtelte Häuserzeilen geben dem historischen Stadtteil seinen besonderen Charakter.
Zu den markanten Gebäuden zählt das Historische Bürgerhaus. Wer die Altstadt erkundet, sollte bequeme Schuhe tragen: Manche Gassen und Treppen führen steil bergauf. Langenberg eignet sich damit besonders für einen Spaziergang, bei dem nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten, sondern auch die gewachsene Struktur des Orts im Mittelpunkt stehen.
Fachwerk, Kloster und Marktplatz: Solingen-Gräfrath
Gräfrath gehört zu den eindrucksvollsten historischen Ortskernen der Region. Rund um den Marktplatz stehen verschieferte Fachwerkhäuser und historische Gebäude dicht beieinander. Gepflasterte Gassen führen zur ehemaligen Klosterkirche und zum Deutschen Klingenmuseum.
Die geschlossene historische Bebauung macht den Stadtteil zu einem guten Ziel für alle, die bergische Architektur auf engem Raum erleben möchten. Sehenswert sind der Marktplatz, die Klosterkirche, das Museum und die kleinen Gassen rund um das Zentrum.
Lennep: Spuren der Tuchmacher und Röntgen
Remscheid-Lennep erhielt 1230 Stadtrechte und entwickelte sich zu einem bedeutenden Handelsplatz. Die annähernd kreisförmige Struktur der Altstadt ist noch heute erkennbar. Kleine Gassen, Schieferhäuser und historische Plätze erinnern an die Zeit, in der Handel und Tuchproduktion Wohlstand in den Ort brachten.
Auch Wilhelm Conrad Röntgen ist eng mit Lennep verbunden. Das Deutsche Röntgen-Museum ist ihm gewidmet. Zum Rundgang gehören außerdem der historische Stadtkern, die Stadtkirche und der Alte Markt.
Beyenburg: historische Gassen an der Wupper
Der zu Wuppertal gehörende Stadtteil Beyenburg liegt an der Wupper und ist von Fachwerkhäusern, engen Straßen und der Klosterkirche St. Maria Magdalena geprägt. Der Ort war früher eine Station an Handels- und Pilgerwegen. Heute laden die alten Häuser und die Lage am Beyenburger Stausee zu einem Spaziergang ein.
Wer die Umgebung einbeziehen möchte, kann den Besuch mit einem Ausflug entlang der Wupper verbinden. Zu entdecken sind neben der Klosterkirche das historische Klosterumfeld und die alten Fachwerkhäuser.
Hückeswagen: Altstadt unterhalb des Schlosses
Das Schloss hoch über der Altstadt prägt das Stadtbild von Hückeswagen. Darunter liegen verschieferte Häuser, schmale Gassen und alte Bürgerhäuser. Marktstraße, Pauluskirche und Schlossplatz bilden ein historisches Ensemble, an dem sich die Entwicklung der Stadt ablesen lässt.
Wer sich bei einem Rundgang orientieren möchte, kann den von der Stadt angebotenen historischen Altstadtrundgang nutzen. Zu den wichtigsten Stationen zählen das Schloss und der historische Stadtkern.
Wermelskirchen: Wiederaufbau nach dem Stadtbrand
Ein erheblicher Teil des Ortskerns wurde nach dem großen Stadtbrand von 1758 wieder aufgebaut. Verschieferte Häuser, Bürgerhäuser und die historische Stadtkirche prägen das Zentrum. Besonders die Gebäude an der Eich vermitteln einen Eindruck von traditioneller bergischer Baukunst.
Auch der Marktplatz mit der Evangelischen Stadtkirche und dem historischen Marktbrunnen lohnt einen Besuch. Zum Rundgang gehören außerdem das Gebäude Markt 10 und die Bürgerhäuser an der Eich. Anschließend lässt sich der Besuch mit einem Ausflug ins Eifgental verbinden.
Lüttringhausen: das „Dorp“ von Remscheid
Den historischen Ortskern von Remscheid-Lüttringhausen nennen Einheimische „Dorp“. Eine bedeutende Handelsstraße von Brügge nach Lübeck führte früher durch den Ort. Heute erzählen traditionelle bergische Häuser, kleine Straßen und die Stadtkirche von der langen Siedlungsgeschichte.
Lüttringhausen vermittelt vielerorts den Eindruck einer gewachsenen bergischen Kleinstadt. Der Ort ist außerdem Teil der regionalen Drei-Altstädte-Tour, die ihn mit Beyenburg und Gräfrath verbindet.
Mettmann: Stadtgeschichte rund um St. Lambertus
In der Oberstadt bildet die St.-Lambertus-Kirche das Zentrum des historischen Stadtkerns. In den umliegenden Straßen stehen ältere Fachwerkbauten neben Gebäuden aus anderen Epochen. Gerade diese Mischung macht sichtbar, wie sich die Stadt über die Jahrhunderte verändert hat.
Zum Altstadtspaziergang gehören die Straßen rund um die Mittelstraße. Wer den Ausflug erweitern möchte, kann ihn mit einem Besuch im nahe gelegenen Neandertal und im Neanderthal Museum verbinden.
Radevormwald: eine Stadt, die immer wieder neu entstand
Mehrere große Brände haben das Stadtbild von Radevormwald verändert. Besonders der Stadtbrand von 1802 hinterließ tiefe Spuren; wesentliche Teile der heutigen Innenstadt entstanden danach. Der Ort ist deshalb interessant für alle, die nicht nur einzelne alte Gebäude, sondern auch die Entwicklung einer Stadt nach Zerstörung und Wiederaufbau nachvollziehen möchten.
Der Marktplatz und die umliegenden Straßen bilden das Zentrum des Rundgangs. Dabei geht es auch um die historischen Straßenverläufe und die Spuren älterer Stadtentwicklung.
Hattingen: Fachwerkstadt an der Ruhr
Hattingen liegt am südlichen Rand des Ruhrgebiets und gehört nicht zum eigentlichen Kern des Bergischen Landes. Als Nachbarziel ist die Altstadt für Ausflüge aus dem Bergischen Städtedreieck dennoch interessant. Rund 150 Fachwerkhäuser und Baudenkmäler prägen das Zentrum.
Am Kirchplatz stehen die St.-Georgs-Kirche und historische Häuserzeilen. Zu den bekannten Sehenswürdigkeiten zählen außerdem das Alte Rathaus, das Bügeleisenhaus und der Malerwinkel. Cafés und Restaurants ergänzen den Altstadtbummel. Der Besuch lässt sich mit einem Ausflug ins Ruhrtal oder zur Burg Blankenstein verbinden.
Was die bergischen Ortskerne verbindet
Typisch für viele Orte ist der sogenannte Bergische Dreiklang: schwarze Fachwerkbalken oder Schieferfassaden, weiße Fenster und grüne Schlagläden. Hinter der ähnlichen Bauweise stehen jedoch unterschiedliche Geschichten. In Lennep und Hückeswagen prägten Tuchmacher und Kaufleute die Entwicklung; Gräfrath war eng mit seiner Klostergeschichte verbunden. Langenberg verdankte seinen Wohlstand unter anderem der Textilindustrie. In Wermelskirchen und Radevormwald formten Brände und Wiederaufbau das Stadtbild.
Die zehn Ziele unterscheiden sich auch darin, was einen Besuch besonders macht: In Gräfrath und Hückeswagen stehen Fachwerk und historische Ensembles im Vordergrund, in Lennep die Handels- und Tuchmachergeschichte. Langenberg wiederum zeigt, wie Textilwirtschaft und hügelige Lage den Charakter eines Orts geprägt haben.
Lieber einen Ort in Ruhe erkunden
Die Auswahl reicht von der nahen Velberter Altstadt Langenbergs bis nach Hattingen an der Ruhr. Wer mehrere Ziele besuchen möchte, sollte nicht versuchen, alle Sehenswürdigkeiten an einem Tag abzuhaken. Ein einzelner Rundgang bietet Zeit, auch die kleinen Details wahrzunehmen: eine Haustür, einen alten Marktplatz oder den Wechsel zwischen Fachwerk und Schiefer.
Für einen Ausflug aus Velbert bietet sich Langenberg als naheliegender Einstieg an. Wer anschließend weitere Ortskerne entdecken möchte, kann nach Interesse auswählen: etwa Gräfrath für Klostergeschichte, Lennep für Tuchmacher- und Röntgengeschichte oder Beyenburg für historische Häuser an der Wupper.
